Kreisgruppe Geretsried Bad Tölz-Wolfratshausen

Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V.

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60 Jahre Kreisgruppe: Vielseitiges Gemeinschaftsleben

Die Kreisgruppe Bad-Tölz – Wolfratshausen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen zieht aus Anlass ihres 60-jährigen Bestehens eine bemerkenswerte Bilanz. Lesen Sie im Folgenden eine Würdigung des vielseitigen und reichen Gemeinschaftslebens durch die Vorsitzende der Kreisgruppe, Gerlinde Zurl-Theil, das Grußwort der Bundesvorsitzenden Herta Daniel und das Programm der Jubiläumsfeier vom 28. und 29. Mai 2016 in Geretsried.

 

Am Ende des Zweiten Weltkrieges bildeten vor der Roten Armee geflohene oder aus Gefangenschaft und Deportation entlassene Siebenbürger Sachsen erste Zellen einer neuen Gemeinschaft in Deutschland. So fanden einige in Geretsried eine neue Bleibe. Sehr bald wurde ein Aufnahme- und Durchgangslager für Aussiedler, welche in Bayern leben wollten, errichtet. So kam es, dass hier viele ausgesiedelte, später in Bayern wohnhafte Siebenbürger Sachsen kurze Zeit im „Lager“ Geretsried verbrachten. 
 

 
Im April 1956 gründete ein gutes Dutzend Landsleute unter der Leitung von Karl Friedrich Theil in Geretsried eine Kreisgruppe der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen. Wenn es in den 50er und 60er Jahren hauptsächlich darum ging, konkrete Starthilfe bei Amtsgängen und bei der Suche nach Unterkunftsmöglichkeiten und Arbeitsplätzen zu geben, so erweiterte sich das Betätigungsfeld der Kreisgruppe ab den 70er Jahren unter dem Vorsitz von Kurt Schoppel (1976-1979), Peter Knall (1979-1988), Hans Schmidts (1988-2002), Herta Daniel (2002-2008) und Gerlinde Zurl-Theil (ab 2008) immer mehr auch in kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht.

 

Die Kreisgruppe hat heute 618 Mitgliedschaften, inklusive Familien- und Zweitmitglieder und Mitglieder der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD), von denen rund 200 Landsleute aller Altersgruppen aktiv in verschiedenen Kulturformationen mitwirken. Die Mitglieder wohnen in Geretsried, Wolfratshausen, Bad Tölz und weiteren 20 Ortschaften.

Das 30-, 40- und 50-jährige Bestehen beging die Kreisgruppe jeweils mit einem umfangreichen Festprogramm. Das Erstere gipfelte 1986 im Verbandstag des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. Die Kulturgruppen der Kreisgruppe werden gerne und oft zum Rahmenprogramm verschiedenster Festivitäten eingeladen. So z.B. Tag der Heimat, Sommerfeste, Kronenfeste, Landesgartenschauen, Kulturabende des Landkreises, „Europa tanzt“, Jubiläen und Bälle anderer Kreisgruppen, „Großer Siebenbürger Ball“ in München, Sängerfeste, HOG-Treffen, Sachsentreffen in Wels oder Siebenbürgen, 1. Gedenktag für die deutschen Opfer von Flucht und Vertreibung u.a. Unsere Altenheime in Rimsting und Lechbruck sowie die Altenheime in Geretsried werden gerne besucht. Unsere Jugend ist jedes Jahr beim Heimattag in Dinkelsbühl, beim Volkstanzwettbewerb der SJD und der Europeade vertreten.

Unsere siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft wird durch eine Vielzahl von Referaten, Kulturformationen und Einrichtungen der Kreisgruppe gefördert und mit Leben gefüllt: Pressereferat, Sozialreferat, Kulturreferat, Kinder- und Jugendreferat, Frauenreferat, Handarbeitskreis, Zehntfrauen, Senioren, Siebenbürgisch-sächsische Sammlung im Geretsrieder Heimatmuseum, Kindertanzgruppe, Schülertanzgruppe, Jugendtanzgruppe, Erwachsenentanzgruppe, Homepage www.7buerger-btwGeretsried.de, Gemischter Chor, Theatergruppe, Sportgruppe und Urzelnzunft. 1986 riefen Horst Wagner und Michael Herbert in Geretsried eine Urzelnzunft ins Leben, die inzwischen auf über 50 Mitglieder angewachsen ist. Besondere Höhepunkte im Leben der Kreisgruppe waren die Besuche der Urzelnzunft in der Bayerischen Staatskanzlei 1992 und 1996 beim Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber. Am 11. Februar 2011, dem „unsinnigen Donnerstag“, folgte die Urzelnzunft einer Einladung in die Bayerische Staatskanzlei.

Eine Vielzahl von Mitgliedern unserer Kreisgruppe wurde im Laufe der Jahrzehnte mit dem Goldenen oder Silbernen Ehrenwappen des Verbandes ausgezeichnet. Der aus Schäßburg stammende Architekt Kurt Leonhardt (Vermessung und Modellbau von siebenbürgischen Kirchenburgen) und der aus Bistritz stammende Konstrukteur des Transrapid Stefan Hedrich erhielten den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis. Zwei Mitglieder wurden mit der „Pro-Meritis“-Medaille des Verbandes der Siebenbürger Sachsen geehrt: Inge Konradt und Walter Klemm.

Es spricht für unsere Väter und Vorväter, dass sie bei allen Anstrengungen zum Überleben auf ihre ideellen Werte nicht verzichteten, sondern trotz des mühsamen und entbehrungsreichen Lebens daran festhielten. Damit ging ihre Identität nicht verloren, und ein Stück alte Heimat wurde in der Neuen erhalten, in der wir uns längst zu Hause fühlen. Es liegt nun an der Bereitschaft der jüngeren Landsleute, in ehrenamtlicher Mitarbeit das Bestehende zu erhalten und auszubauen, um unser geistiges und kulturelles Erbe unter veränderten Bedingungen zu bewahren.

 

Gerlinde Zurl-Theil, Vorsitzende der Kreisgruppe

 

 

Grußwort der Bundesvorsitzenden

des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland

 

Ihnen, liebe Landsleute aus Geretsried, Wolfratshausen, Bad Tölz und Umgebung, ist es stets ein wichtiges Anliegen gewesen, die Erinnerung an Siebenbürgen wach zu halten: Ein bemerkenswertes Beispiel dafür sind die durchgeführten Großveranstaltungen wie Kronenfeste, Waldfeste, Kathreinenbälle der Kreisgruppe Bad Tölz - Wolfratshausen, mit denen Sie alle einen Beitrag zur Breitenwirkung unserer siebenbürgisch-sächsischen Kultur geleistet haben.

Die seit einigen Jahrzehnten in dem früheren Heimatmuseum und derzeit im Stadtmuseum Geretsried zu findenden siebenbürgisch-sächsischen Exponate, deren Anzahl im Laufe der Jahrzehnte stetig stieg, sind Zeugnisse unseres Kulturerbes und gehören heute zu den Sammlungen der Vertriebenen und Aussiedler aus den ost- und südostdeutschen Gebieten Europas. 

Es ist gerade in der heutigen Zeit wichtig festzuhalten, dass wir Aussiedler und Spätaussiedler Deutsche sind und unsere Kultur ein Teil der deutschen Kultur ist.

Ihr Augenmerk war immer auf einer Vertiefung der Beziehungen zu den in Ihrer Umgebung lebenden Menschen und auf eine enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Einrichtungen gerichtet. Es ist Ihnen allen, zusammen mit den Tanzgruppen, dem gemischten Chor, der Handarbeitsgruppe, der Theatergruppe, der Urzelnzunft, der Nachbarschaft Bad Tölz gelungen, eine enge Vernetzung der Siebenbürger Sachsen mit der einheimischen Bevölkerung zu erreichen. In diesem Zusammenhang möchte ich die traditionellen Trachtenumzüge anlässlich der Geretsrieder Sommerfeste und das Faschingstreiben mit den Urzeln erwähnen.

Mein herzlicher Dank gilt all denjenigen, die seit Jahrzehnten mit großer Einsatzbereitschaft das geistige und kulturelle Erbe der Siebenbürger Sachsen pflegen und damit einen aktiven Beitrag zur Völkerverständigung in Europa leisten. Aktive Heimat- und Brauchtumspflege bieten uns einen sicheren Halt und deshalb haben die Aktiven der Kreisgruppe Bad Tölz – Wolfratshausen seit 60 Jahren alles getan, um den Begriff Heimat in seiner tragenden Bedeutung auch unserer jungen Generation nahe zu bringen, ohne jedoch die Integration aus den Augen zu verlieren. Die Kinder- und Jugendarbeit verläuft in dieser Kreisgruppe vorbildlich, wie die zahlreichen Aktivitäten der Kinder- und Jugendgruppen belegen!

Ich wünsche der Kreisgruppe Bad Tölz - Wolfratshausen, seinen Mitgliedern, allen Freunden und Förderern der Siebenbürger Sachsen ein erfolgreiches Jubiläum, Freude und Stolz auf das bisher Erreichte und baue auf eine weiterhin konstruktive Zusammenarbeit!

 

Herta Daniel, Bundesvorsitzende

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