Urzelnzunftmeister wurde 80 Jahre

Horst Wagner, der die Urzelnzunft in Geretsried über 30 Jahre lang geleitet hat (1986-2016), beging kürzlich seinen 80. Geburtstag mit Freunden und Familie.


„Ich war, ich bin und bleibe ein Goereschaner, ein Agnethler.“ Mit dieser Einstellung wurde Horst Wagner (bekannt als Hori) am 17. Juni 1941 in Agnetheln geboren. Selbst da gab es bereits Diskussionen. In der Schule wurden die Kinder aufgefordert, ihren Geburtstag aufzuschreiben. So schrieb er mit gutem Gewissen: 17. Juni. Gleich am nächsten Tag rief ihn sein Lehrer auf: „Sag einmal, bist du so blöd und kennst deinen eigenen Geburtstag nicht? Du bist nicht am 17., sondern am 18. geboren.“ Zu Hause wurde das Missverständnis aufgeklärt. Geboren wurde er am 17., aber sein Vater ging erst tags darauf zur Polizei, um ihn anzumelden. Dort nahm man es nicht so genau und in die Akten kam nicht sein Geburts-, sondern das Anmeldedatum. Er war nicht der Erste und auch nicht der Letzte, bei dem die Behörden ähnlich vorgingen.



Horst Wagner beim Sachsentreffen in Hermannstadt am 5. August 2017. Foto: Wiltrud Wagner


Horis Vater hatte ein Geschäft, und so musste er oft die Waren zu den Kunden bringen. Dadurch lernte er bereits in jungen Jahren viele Leute kennen und kann sich bis heute deren Namen merken. Nur bei den Nachkommen muss er raten und fragt: Wer ist deine Mutter (scheinbar kennt er die Mütter besser), wer ist dein Vater?


Immer wieder erzählt er: „Mit 14 bin ich von zu Hause weg und erst 1967 wieder nach Hause zurückgekommen.“ Nach der Konfirmation 1955 kam er bis 1958 in die Berufsschule für Baumaschinen nach Hermannstadt.


Danach arbeitete er an verschiedenen Orten und Baustellen, lernte dort nebenbei deren Handwerk, was ihm später sehr nützlich wurde. So konnte er in Agnetheln alleine das Haus umbauen, ebenso das Haus in Geretsried. Ja, auch seine beiden Söhne Peter und Dieter profitierten davon, da sie mithelfen mussten. Später sagte Dieter bei seinem Umbau: Ich habe meinem Vater immer über die Schulter geguckt.


Heute, wenn er einen Namen hört, weiß er schon, woher der stammt, „denn mit dem habe ich schon zusammengearbeitet“ – und das scheinen viele zu sein. 1963 kam er nach Fogarasch, wo er bis 1965 blieb. Danach musste er bis Dezember 1966 zum Militär, um dann bis 1973 in Agnetheln zu bleiben. 1970 heiratete er Wiltrud Hager, die ihm zwei Söhne schenkte: Peter und Dieter. Im Frühjahr 1973 kamen die bewussten DM auf das Bankkonto. Damit konnte er seinen Urlauberpass beantragen. Am 3. September 1973 stieg er in München aus dem Zug, um bis heute in Geretsried zu bleiben. Sofort wurde er Mitglied der siebenbürgischen Landsmannschaft, damals mit einem Mitgliedsbeitrag von 3,50 DM. Später wurde er stellvertretender Vorsitzender und danach Organisator der Kreisgruppe Bad Tölz – Wolfratshausen. Jahrelang war er zusammen mit seiner Frau Mitglied der Tanzgruppe, und ihrem Beispiel folgten auch Peter und Dieter.


1986 gründete er zusammen mit zwölf anderen Landsleuten die Geretsrieder Urzelgruppe, die bis heute bei der Stadt, bei der Bevölkerung und beim Museum immer gerne gesehen ist. Hier hat der Urzel sogar einen eigenen Raum nur für sich alleine. Nach 30 Jahren übergab er sein Amt als Urzelvorstand an seinen Sohn Peter: „Für die nächsten 30 Jahre“.


Am 3. November 1996 erhielt er eine Urkunde der Stadt Geretsried für außergewöhnliche Verdienste im Ehrenamt. Am 3. Dezember 1998 überreichte ihm seine Firma eine Ehrenurkunde für 25 Jahre Dienstzeit als Werkmeister.


Die letzten Jahre musste er öfter nach Polen, wo seine Firma eine Zweigstelle eröffnet hatte. Zurück kam er immer mit den Worten: „Habe wieder ein paar neue Worte gelernt.“ Dann 2006 meinte er: „Jetzt ist es aber genug“ und ging in den wohl verdienten Ruhestand. Wer aber denkt, jetzt ruht er sich aus, ist schlecht gewickelt. Seine 21 Töpfe mit Knollenbegonien betreut er liebevoll, die es ihm auch danken und fleißig blühen. In diesen Jahren wird nicht nur er älter, sondern auch das Haus und die Apparaturen werden es. Etwas erstaunt meinte er: „Die waren doch so gut und jetzt sind sie kaputt.“ Keine Angst, da wird nichts weggeworfen, sondern mit viel Geduld und Liebe wieder in Funktion gebracht.


Sein Motto: Man kann nicht alles wegwerfen, nur weil sie schon über 20 Jahre alt sind. Die Geräte funktionieren noch besser als die neuen, die schon nach zwei bis drei Jahren ihren Dienst verweigern. Also nimm dir Horst Wagner als Vorbild, da kannst du mit viel Tüfteln und Probieren dein Hirn jung erhalten, bis du eine Lösung gefunden hast. Hori hat bis jetzt immer eine gefunden. Alles Gute und Liebe zu deinem 80. Geburtstag. Bleib weiter so aktiv, denn deine Familie, deine Blumen und Tomaten brauchen dich, ebenso die älteren Geräte. Heute schreibst du nicht nur die Zahl 80, sondern hast auch Leute, die sich erst nach zwei Jahren wieder sehen und sprechen konnten, sehr glücklich gemacht.