Kostüm ist nicht immer Kostüm

So konnte man viele Kostüme am 8. Februar beim Faschingsball in den Ratsstuben Geretsried bewundern. Zur Eröffnung sprach unsere Vorsitzende, Ursula Meyndt, ein paar Worte und meinte: „Schon oft waren es die Narren, die sogar in der ganzen Welt ihr Sagen hatten, aber heute Abend habt ihr es hier bei uns." Bei der anschließenden Polonaise waren so viele Teilnehmer, dass es fast die große Tanzfläche sprengte. Durch die anwesenden Ärzte konnte jeder unbeschwert die Bar benützen, dabei wurde der Umweltschutz und deren Sauberkeit nicht vergessen: die vielen anwesenden Raumpflegerinnen warteten bereits mit dem Wedel in der Hand. Nach dem Brexit sind mehrere Schotten zu uns gekommen, die Bären, Hexen und Zauberer wurden von einer Gruppe „Popcorn“ mit deren Körner gefüttert und einige schon fast ausgestorbene Tiere hatten hier bei uns Zuflucht gefunden. Auch mit dabei war so manch fantasievolles Kostüm, deren Darstellung man nur erahnen konnte. Macht nichts. Schließlich ist es die 5. Jahreszeit in der die Fantasie keine Grenzen hat. Für euer zahlreiches Erscheinen vielen Dank. Denn ein richtiger Fasching ohne Maske, Kostüm und Feierlaune ist kein Fasching.



Dann Bühne frei für unsere Tanzgruppen, angeführt von Iris Maurus. Die zwölf kleinen Bienchen der Kindertanzgruppe, in ihren niedlichen Kleidchen und Flügeln, entführten uns in den Frühling, nur leider zu früh, denn unsere Bäume blühen noch nicht, aber ein Vorgeschmack war es allemal.Nach unserem Hilferuf haben wir wieder eine Schülergruppe und dies gleich mit 9 Tänzern, die mit viel Schwung und Hüten mit Cowboykleidung einen Westerntanz aufführte. Fleißig spielte das „Schlager Taxi“. So mussten wir etwas länger auf eine Pause warten, um die Kostümprämierung durchführen zu können. Obwohl nur die Besten prämiert wurden, war bis zum Schluss diese Gruppe so groß, dass sie kaum aufs Foto passte. Anschließend überraschten uns die zwölf Charlestontänzer der Jugendtanzgruppe mit ihrem Charm und wippenden Hüften. Sie brachten uns die Schritte und Kleidung von vor 100 Jahren wieder in Erinnerung. Fesch waren sie die Mädels in ihren schwarzen, kurzen Kleidern mit Fransen, den langen schwarzen Handschuhen und dem Federkopfschmuck, während die schwarzen Hosen ihrer Begleitung von schwarzen Hosenträgern gehalten wurden, die auf dem weißem Hemd mit passender Fliege, gut zur Geltung kamen.


An diesem Abend gab es nur die beste Laune, zu der auch das „Schlager Taxi“ sehr viel beitrug. Allen Helfern, Tänzern und Anwesenden recht schönen Dank. Bis nächstes Jahr: mit noch mehr Mut zu noch mehr Kostümen. Es war ein herrliches Bild.



Aber gleich am Montag, den 10. Februar, in der Stadtbücherei Geretsried, war keine Rede mehr von diesen Kostümen, sondern von der Entwicklung einer sächsischen Standestracht, vorgetragen von Frau Dr. Irmgard Sedler. Es wurde ein Vortrag der besonderen Art, bei dem auch der Chor, dem Motto entsprechend, in Sächsischer Mundart sang. Ging man auch mit bestimmten Vorstellungen hinein, kam man trotzdem angenehm überrascht wieder heraus. Es wurden keine alltäglichen, aktuelle Trachten besprochen, sondern Frau Sedler sprach über die Entstehung und Weiterentwicklung der Ost und West Kleidung, die sich in den Städten immer mehr einschlich. Sie sprach über eine Zeitspanne von der man eigentlich bis jetzt nicht viel wusste und über die man sich nie so richtig Gedanken machte.


Frau Sedler: „Ich bin nicht hier um die genaue Anziehungsweise, welche Schürze zu welcher Tracht, welche Farbe die Strümpfe zum passenden Kleid haben muss, zu besprechen. Ich bin hier um ihnen die Geschichte, die Entstehung und Entwicklung der Trachten zu erläutern“. Während die Tracht der Patrizierfrauen in den Städten Hermannstadt, Kronstadt und Schässburg aus kostbarer Seide bestand und im 16. und 17. Jahrhundert ihre Blütezeit erreichte, sich dann aber doch die Mode aus Wien zum Vorbild nahm, trennten sie sich im Alltag immer mehr von ihrer Tracht. Anders auf den Dörfern. Da blieb die Tracht bis zum zweiten Weltkrieg erhalten. Ihre Alltagstracht war ein handgewebter, ungefärbter Flachs, dem „Ketzel“, aus dem dann 1910 der Busenkittel entstand. Die Sonntagstracht war auch hier aus besserem Stoff. Frau Sedler: „Die Schuhe gehören immer zur Tracht dazu“. Auch sie unterliefen einer großen Verwandlung bis sich um das 19. Jahrhundert bei den Frauen die Stieflette und bei den Männern, im 18. Jahrhundert, die schwarzen Stiefel durchsetzen. Die ersten Trachten haben orientalisch, türkischen Einfluss. Später, im 16. Jahrhundert bringt eine Frau aus Nürnberg ein neues Muster in die heimische Frauentracht, bei den Männern finden wir das Spanische Vorbild. Selbst Paris finden wir wieder: so gab es 1840 noch einen Perückenmacher in Hermannstadt. Großen Einfluss hatten später 1734 die Landler, als sie aus dem Salzburger Land nach Hermannstadt kamen. Ich habe nicht vor den ganzen Vortrag wiederzugeben, aber wir können gespannt auf eine Fortsetzung der Trachtengeschichte sein.


Einen recht schönen Dank für diesen Vortrag, dem Chor und der Jugend für ihre Hilfe. Wer hätte je gedacht, dass unser so beliebter Dolman, durch seine Schnüre, türkisch ist und einmal das Leibgewand des Sultans war. Ich nicht.



Fotos Faschingsball: Julia Maria Spielvogel

Fotos Trachtenvortrag: Wiltrud Wagner

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