Tournee der Theatergruppe zum Sachsentreffen


Unter dem Motto „Mit Mut und Rat auch in der Tat” trafen sich zum 26. Sachsentreffen etwa 2000 Landsleute, Freunde der Siebenbürger Sachsen und Gäste aus Rumänien, Deutschland und Österreich in einem strahlenden Sächsisch-Regen. Dem Motto getreu setzte die Geretsrieder Theatergruppe, auf Rat des Bundeskulturreferates ihren Mut, abermals im Land unserer Vorväter Theater zu spielen, in die Tat um und konnte somit einen kleinen Teil zu diesem Fest beitragen und eine kleine Tournee mit mehreren Auftritten in Siebenbürgen bestreiten.

Das Demokratische Forum der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS) vertritt die Interessen der in Siebenbürgen lebenden rumänischen Staatsbürger deutscher Ethnie. Es widmet sich besonders dem Erhalt der Gemeinschaft und Kultur der noch etwa 13 000 Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen. Das seit 1991 stattfindende Sachsentreffen beginnt meistens mit einem Festgottesdienst, später verlagert sich das Geschehen ins Freie. Auftritte der siebenbürgisch-sächsischen Tanzgruppen, Blaskapellen und Theatergruppen sind fester Bestandteil des Programms. Bis 2006 fanden die Sachsentreffen in Birthälm bei Mediasch statt. 2007 traf man sich in Hermannstadt, in dem Jahr Europäische Kulturhauptstadt, 2010 waren die Bistritzer Gastgeber, 2011 erwies sich Kronstadt als hervorragender Gastgeber, 2014 Mühlbach und 2015 Mediasch.

Am 21. September landete die 18-köpfige Theatergruppe der Kreisgruppe Bad Tölz–Wolfratshausen auf dem Flughafen in Hermannstadt. Auf uns wartete der liebenswerte Busfahrer Marius Peteleaza mit seinem 20-Sitzer, der uns zu unserem Hotel in Mediasch sowie wohlbehütet in der Zeit bis zum 26. September von Ort zu Ort gebracht hat. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Am gleichen Abend waren wir Gäste in Hetzeldorf, wo wir von Marianna und Traian Pascalau sehr herzlich empfangen wurden. Auf ihrem Hof, in dem äußert nett hergerichteten hölzernen Pavillon, bewirteten sie uns fürstlich mit ausgezeichneten selbst gemachten siebenbürgischen Spezialitäten. Weil Marianna und Traian, die Meinung vertraten, dass wir viel zu wenig gegessen hätten, luden sie uns kurzerhand noch einmal für den Sonntagabend ein. Ganz herzlich bedanken wir uns bei diesen wunderbaren Menschen, die eigens für uns ein Schwein geschlach­tet hatten. Am Donnerstagabend hatte das DFDS in Mediasch für uns eine Aufführung geplant. Frau Stanislav begrüßte uns schon am Nachmittag und begleitete uns zum Bürgermeister ‎Gheorghe Roman, der uns sehr herzlich empfing. Er berichtete über die Gegebenheiten der Stadt und die Vorbereitungen des großen Festes – 750 Jahre seit der urkundlichen Ersterwähnung –, das 2017 (in der Woche nach dem Sachsentreffen in Hermannstadt) stattfinden wird. Unsererseits überbrachten wir ein Grußwort des Geretsrieder Bürgermeisters Michael Müller. Mit einer kurzen Vorstellung unserer Theatergruppe begrüßte die stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Bayern, Gerlinde Zurl-Theil, die Gäste um 18 Uhr im Traubesaal. Nach der Vorstellung der Schauspieler des Singspieles „De Himet reft“ von Gunda Heitz-Werner durch den Regisseur Johann Depner wurden die Zuschauer in eine Zeit nach dem Krieg zurückversetzt, in der viele Familien mit dem Schicksal der Familientrennung bei der Rückkehr von Krieg und Deportation zu kämpfen hatten. Nach der Aufführung ließen wir den Tag beim gemeinsamen Abendessen in der „Traube“ ausklingen. Am nächsten Morgen führte uns der Weg in Richtung Sächsisch-Regen. Unterwegs besuchten wir eine kleine Weinkellerei. Hier bot sich uns eine atemberaubende Aussicht über das kleine Kokeltal. Nach einer Weinverköstigung setzten wir unsere Fahrt nach Reen fort. Das Hotel, das uns hier erwartete, bot alles, was man als – mittlerweile verwöhnter deutscher Bürger – braucht. Sehr schöne gepflegte Zimmer, eine köstliche siebenbürgische Küche und zuvorkommende Kellner. Nach all diesen Genüssen fuhren wir in das Kulturzentrum, um die Bühne für die Vorstellung am nächsten Tag herzurichten. Nach­dem wir mit dem Ergebnis unserer Arbeit in dem wunderschönen Saal zufrieden waren, gingen wir in Richtung Stadtzentrum. Sächsisch-Regen ist ein einladendes, lieblich anmutendes Städtchen; so mancher unserer Gruppenmitglieder könnte sich ein Leben hier vorstellen.

Die Evangelische Kirchengemeinde mit Stadtpfarrer Johann Zey und Kirchenkurator Michael Lassel rundete unser bereits gewonnenes Bild von Sächsisch-Regen ab. Sie luden alle angereis­ten Gäste des Sachsentreffens zu einem Empfang in das Hotel Marion ein. Es war ein unvergesslicher Abend. Nach der Begrüßung durch Pfarrer Zey und einem üppigen, sehr schmackhaften Büfett stellten sich die Gastgruppen vor. Da uns die von Pfarrer Zey für den Abend eingeplante Musikgruppe versetzte, griffen „Die lustigen Adjuvanten“ aus Traun kurzerhand zu ihren Instrumenten, die Tanzgruppenmitglieder stellten sich zum Tanz auf und die Geretsrieder Theatergruppe reihte sich ganz einfach mit ein. Anweisungen zum Tanz gab es vom Bundesobmann des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Manfred Schuller. Es schlossen sich sehr nette Gespräche an, so dass wir recht traurig waren, als es hieß: Der Bus mit den Geretsriedern fährt in Kürze zum Hotel. Der 24. September, der Festtag, war ein wunderschöner sonniger Tag. Der Gottesdienst in der voll besetzten, strahlend geschmückten Kirche war sehr ergreifend. Von der Empore hing die siebenbürgische Fahne, siebenbürgische Trachtenträger bevölkerten die Bänke. Bischof Reinhart Guib eröffnete den Festgottesdienst, der durch die Darbietungen des nicht mehr enden wollenden, einziehenden Kinderchors bereichert wurde. Nach dem Besuch der Heimatstube in der Kirche und dem anschließenden Platzkonzert der Blaskapellen im Kirchengarten mussten wir uns zum Kulturhaus aufmachen, da unsere Vorstellung für 12.30 Uhr angesetzt war. Im Anschluss an unser erfolgreiches Bühnenstück mischten wir uns unter die Festgäste. Das Programm war vielfältig, doch leider überschnitten sich viele Programm­punkte. So konnten wir nur kurz der Begrüßung von Martin Bottesch, der den Festakt moderierte, sowie den Worten des DFDR-Vorsitzenden Dr. Paul Jürgen Porr sowie der Bürgermeisterin Maria Precup beiwohnen. Bei Ricky Dandels Open-Air-Konzert erhaschten wir noch die letzten Lieder, u.a. das ergreifende „Moren mes ich Schaas verlassen“. Um 16.30 Uhr endeten die offiziellen Programmpunkte des 26. Sachsentreffens in Sächsisch-Regen. Nach weiteren guten Gesprächen und netten Begegnungen verließen wir die Feststadt und kehrten nach Mediasch zurück, wo wir den Tag im gemütlichen Ambiente des Art Cafés, das im Schmiedgässer Turm errichtet wurde, in netter Runde ausklingen ließen. Eines der Gespräche am Festtag führte uns am Sonntag in die Bergkirche nach Schäßburg. Der Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde A.B. Schäßburg, Theo Halmen, war Gast unseres Theaterstückes und bekundete seine Begeisterung, indem er uns vorsichtig ansprach, ob wir nicht – als musikalische Gäste – den sonntäglichen Gottesdienst bereichern könnten. Somit waren wir pünktlich um 9.30 Uhr an der Bergkirche in Schäßburg. Nach 15-minütiger Gesangsprobe war der „Schäßburg-Geretsrieder Kirchenchor“ einsatzbereit. Der Kanon „Jauchzet dem Herren, alle Welt“ (Mendelssohn Bartholdy) erklang äußerst gekonnt, unterstützt von der hervorragenden Akustik der Bergkirche. Es war ein Genuss, anschließend dem Lied „Gott segne Dich“ (Martin Pepper), gesungen von unserem Schwesternpaar Gerda Untch und Kathi David, lauschen zu dürfen. Der weitere Tag sollte auf dem Rückweg nach Mediasch den Herkunftsgemeinden einiger Gruppenmitglieder gewidmet sein. So fuhren wir nach Neithausen, Neustadt, Hundertbücheln und Agnetheln. In Hundertbücheln bekamen wir eine gute Führung von Michael Hann durch die Kirchenburg und ihre Anlage. Der weitere Verlauf führte uns durch Reichesdorf über Birthälm und Hetzeldorf, wo wir von Traian und Marianna zum Grillen eingeladen waren, zurück nach Mediasch. Der letzte Tag galt Mediasch – nachdem drei der Mitreisenden Mediascher waren, hatten sie reichlich Gelegenheit, auch an den Abenden ihre Heimatstadt zu erleben. Um 17 Uhr traten wir den Heimflug an, nachdem wir vorher die Gelegenheit hatten, auch Hermannstadt einen Besuch abzustatten. Bei der Abreise aus Siebenbürgen waren sich alle Mitreisenden einig: Es war eine äußerst schöne Reise, mit herzlichen Begegnungen und emotionalen Eindrücken. Allerdings wäre diese Reise ohne Unterstützung, auch finanzieller Art, nicht möglich gewesen. Einen Teil der Reisekosten hat die Theatergruppe aus den Einnahmen bestritten, die sie beim Auftritt anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Kreisgruppe eingespielt hatte. Für die gewährten Zuschüsse möchten wir uns beim Bundesverband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. sowie beim Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration bedanken. Auch dem DFDS, dessen Geschäftsführer Winfried Ziegler und Frau Iboi Stanislav (Mediasch) sowie den Vertretern der evangelischen Kirchengemeinde in Sächsisch-Regen gebührt unser Dank. Eines sollten wir bedenken: Ohne Hans Depner hätten wir das alles nicht erleben dürfen. Von der Tocană cu mămăliguţă bis zur heilen Ankunft in Geretsried haben wir ihm und Kathi alles zu verdanken und ich glaube, dass ich für alle spreche, wenn ich ihm auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank ausspreche: Hans, Gott erhault dich, und suche schon nach einem neuen Stück. Uns hat es gefallen und wir danken dir! Nor de Geseangt! Deng Trupa.


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