60 Jahre Kreisgruppe: Theaterstück „De Himet reft“ aufgeführt


Gleich zu Beginn: Ich möchte hier keine Wiederholung bringen. Über das 60-jährige Bestehen der Kreisgruppe in Geretsried und dessen Feier wurde in der Siebenbürgischen Zeitung wie auch in anderen Zeitungen geschrieben. Die Feier am 28. Mai sollte mit einem Jubiläumsball enden. Beim Anblick der geringen Besucherzahl meinte unsere Kreisgruppenvorsitzende Gerlinde Zurl-Theil: „Wenn keine mehr kommen, wird es eben eine Party.“ Es ist eine Party mit einer Riesenstimmung geworden. Unterstützt von der Band Rocky 5, feierte man durch bis morgens um 2 Uhr.

Trotz Freude und Feier wollen wir die Gründung 1956 und ihre Gründungsmitglieder nicht vergessen. Sie kommen aus den verschiedensten Orten Siebenbürgens, u. a. aus Hermannstadt, Agnetheln, Peschendorf, Neustadt, Schäßburg, Wurmloch, Zeiden. In Geretsried gab es bereits kleine Werkstätten, mitgebracht von den Sudentendeutschen, die Industrie begann sich zu entwickeln und Baugrund wurde auch frei gegeben. Da war es kein Wunder, dass sich die Landsleute hier trafen. Sie nahmen jede Arbeit an, sahen nie auf die Uhr, auch wenn der Stundenlohn nur Pfennigbeträge war und 1 kg Brot 0,69 DM, Zucker 1,24 DM, Mehl 0,77 DM, 1 Liter Milch 0,42 DM kosteten. Die meisten waren bereits in die damalige Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen eingetreten. Die Nachbarschaftshilfe sicherte das Überleben. Somit war die Gründung einer Kreisgruppe ein Muss. Karl Friedrich Theil übernahm den Vorsitz. Satzungen wurden durchforstet, Regeln aufgestellt. Georg Thiess, mit Ehefrau Anne, geb. David heute die einzigen noch lebenden Gründungsmitglieder: „Ich war damals Kassenwart und musste manchmal zwei bis drei Mal zu den Leuten gehen, aber wir waren damals alle arm. Jeder arbeitete an seinem Haus.“ Obst, Gemüse hatte man in seinem Garten und das Fleisch, mit Fellchen, Federn und Eiern lief im Hof herum. Damals und auch heute wünscht man sich nur eines: „Der Friede, der höher ist als jede Vernunft, bewahre uns auch in der Zukunft“, ausgesprochen von Herrn Dekan Steinbach aus Bad Tölz in seiner Predigt anlässlich der 60-Jahr-Feier in Geretsried. Man war angekommen. Trotzdem, eines blieb: das Heimweh. Ein Heimweh, das auch Gunda Heitz-Werner in ihrem Theaterstück „De Himet reft“ (Die Heimat ruft) beschreibt. Es wurde am 29. Mai in Geretsried unter der Leitung von Johann Depner aufgeführt. Zum Inhalt: Hans, ein junger, verwundeter Soldat, wird in Deutschland von Emma, einer Hiesigen, umsorgt. Zusammen haben sie eine Tochter. Aber zurück blieben in Siebenbürgen seine Frau Jini und die Kinder Jini und Hanzi. Mit den Jahren werden Heimweh und schlechtes Gewissen immer größer. Das schlechte Gewissen seiner Familie gegenüber, von der er durch den Krieg getrennt war. Schlaflose Nächte, kraftlose Tage waren das Ergebnis. Seinem Freund Richard ging es nicht anders. So entschließen sich beide, wieder in die alte Heimat zu fahren. Sie geben hier alles auf, nicht wissend, was sie dort erwartet, aber mit der Hoffnung, endlich den Seelenfrieden zu finden.

Beide Familien, die in Deutschland wie auch die in Siebenbürgen, durchleben ein Wechselbad der Gefühle. Beide Frauen kämpfen um den Mann für ihre Kinder. Emma verliert. Nur Jini, die Ehefrau und Mutter, ist sich ihrer Gefühle sicher: Sie liebt ihren Hans noch immer, weiß und fühlt, dass er bestimmt zu ihr zurückkommt. Sie lässt keinen anderen Mann an sich heran. Bestimmt wäre ihr Leben dadurch leichter gewesen. Der Sohn will zuerst seinen Vater gar nicht sehen. Bei seinem Anblick jedoch merkt er, wie die Leere in ihm schwindet. Ihm hatte ein Mann an seiner Seite gefehlt. Die Tochter nimmt den Vater gelassener auf, hatte sie doch Mutter und Großmutter immer als Ansprechpartner. Das gleiche Schicksal hatten viele. Nach Jahren kamen die ersten aus Siebenbürgen nach Deutschland. Es sollte eine Familienzusammenführung sein. Für einige wurde es die Trennung.

Respekt und Gratulation! Die Generalprobe war ein voller Erfolg. Somit können wir euch getrost in die Sommerpause entlassen. Im September treten die Akteure erneut auf, dann in Mediasch und Sächsisch-Reen, in der alten Heimat. Es ist ein Singspiel und so manchen hörte man im Saal mitsummen. Im April 1956 wurde die Kreisgruppe in Geretsried gegründet und im Mai 1956 kamen meine Mutter und ich, mit neun Jahren und in der 3. Klasse, aus Wien nach Agnetheln. Bestimmt wäre Wien meine Heimat geworden, in Agnetheln fühlte ich mich immer etwas fremd. Und hier? Eigentlich bin ich da frei, glücklich und zufrieden, aber Heimat? Ich weiß nicht. Doch drei „Heimaten“ kann man nicht haben. Vielleicht finde ich sie ja im Himmel, wenn es so weit ist.


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